Remis im Nudeltopf

Anfang der Woche las ich einem Bericht in der Zeitschrift »Handball« über ein Freundschaftsspiel des TSV Rudow in der JVA Tegel. Hierbei wurde die Arena in der JVA als »Nudeltopf« bezeichnet. Diese vortreffliche Metapher lässt sich wohl auch auf die Bosehalle anwenden, in der wir am Freitagabend empfangen wurden.

Bereits vor der Partie lag eine eigenartige Spannung in der Luft und es wurde deutlich, dass dieses Spiel nicht emotionslos ablaufen würde. Wenn man verschiedene Faktoren, wie z.B. die Stimmen vor dem Spiel oder das Auftreten beider Mannschaften beim Warmmachen betrachtete, dann war der Ausgang der Begegnung für viele schon im Vorfeld klar.

Umso mehr verwunderte der sehr verhaltene Start unserer Mannschaft, die sich in der Anfangszeit sehr nervös präsentierte. Angriffe wurden häufig unnötig früh abgeschlossen oder man hatte das Gefühl, es würde sich keiner trauen, Verantwortung zu übernehmen. Glück für uns war zu diesem Zeitpunkt, dass die 5/1 Abwehr gut funktionierte, eine sehr gute Torwartleistung gezeigt wurde und das Angriffsspiel der Mannschaft vom TMBW nicht durch herausragende Rückraumschützen geprägt war.

Der Verlauf der ersten Halbzeit gestaltete sich aufregend, da die Schiedsrichter nach schnell verteilten gelben Karten als nächste Instanz zu »2 Minuten«-Strafen griffen (Erste Halbzeit: 8 x TMBW; 3 x BSV). Als Konsequenz erhitzten sich die Gemüter auf beiden Seiten. Leider ließen sich unsere Spieler häufig provozieren und von der Hektik der gegnerischen Mannschaft anstecken. Der Höhepunkt am Ende der ersten Halbzeit war die Hinausstellung von drei Feldspielern sowie des Torwartes des TMBW. Der Halbzeitstand von 8 : 10 quittierte eine torarme 1. Halbzeit, in der viele klare Chancen im Angriff nicht genutzt wurden.

Allein die Tatsache, dass die ersten zwei Minuten der zweiten Halbzeit unsere Mannschaft mit einer Überzahl von 6 zu 2 Feldspielern auf dem Platz stand, »sollte« für den Ausbau der Führung reichen und dafür sorgen, dieses Spiel sicher nach Hause zu bringen. Leider wurde die Führung nur um ein Tor ausgebaut, da sich die verbliebenen Spieler vom TMBW taktisch sehr klug verhielten und in Unterzahl sogar noch ein Tor warfen. Schnell war der Vorsprung von drei Toren verpufft und die Zuschauer sahen eine spannende und enge Partie, was nicht zuletzt der Tatsache zu schulden war, dass unsere Mannschaft es nicht schaffte, den Linksaußen der SG TMBW Arno Wienert (6) unter Kontrolle zu bekommen. Dieser war auf der Seite des TMBW mit 9 Treffern — symptomatisch für das Spiel — der beste Schütze.

Kein einziger unsererseits verwandelter 7 Meter, ein nicht funktionierendes Kreisspiel und eine insgesamt magere Ausbeute der Rückraumsschützen waren weitere Ursachen für dieses enge Match. Eine Minute vor Schluss schaffte es die Mannschaft vom TMBW dann doch tatsächlich noch, den Ausgleich zu erzielen, und so trennte man sich mit 21 : 21 in einem technisch nicht sonderlich hochkarätigen Handballspiel, in dem der Gastgeber einen kämpferisch verdienten Punkt rettet.

Nüchtern betrachtet und zurückkommend auf die Metapher aus dem ersten Absatz, muss man auch gegen vermeintlich schwächere Gegner in einem Nudeltopf erstmal gewinnen. Meiner Vermutung nach haben die meisten auf dem Spielfeld den Gegner und die Kulisse unterschätzt.

Bericht: Thomas R.

Spielverlauf: 1 : 3; 4 : 4; 7 : 5; 8 : 8; 8:10/10:12; 13 : 13; 15 : 15; 16 : 18; 19 : 19; 21 : 21
Tore: Norbert 8; Reza 4; Elmar 3; Nils 2; Sami 1; Jasper 1; Tobi 1; Beule 1

Jasper

(gelesen: 801 mal, heute: 2 mal, zuletzt: 31. Juli 10)

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