Bescheidenheit kehrt ein

Obwohl wir 1965 ›nur‹ Berliner Vize-Meister in der Halle werden konnten, nahmen wir aufgrund des neuen Austragungsmodus wiederum an der Deutschen Meisterschaft teil.

Um das Endspiel zu erreichen, mussten wir in einer Vierergruppe mit Frischauf Göppingen, VfL Gummersbach und THW Kiel den ersten Platz erreichen.

Nach einer Niederlage gegen Göppingen und einem Erfolg über den THW Kiel machten wir uns im letzten Spiel gegen Gummersbach noch Hoffnungen, wurden dann aber von dem schussstarken Ex-Rumänen Hansi Schmidt im wahrsten Sinne des Wortes erschossen.

Nach Beschluss des Deutschen Handballbundes wurde für die Saison 1966/67 die Handball-Bundesliga für Halle und Feld in die zwei Gruppen Nord und Süd aufgeteilt. Da der Berliner Meister automatisch in die Südstaffel der Bundesliga eingestuft wurde, hatte der Berliner Meistertitel im Feld und in der Halle in diesem Jahr eine besondere Bedeutung. Während es uns bei der Feldmeisterschaft überzeugend gelang, den Titel und somit den Aufstieg in die Bundesliga zu erringen, mussten wir in der Halle den Reinickendorfer Füchsen den Vortritt lassen.

Im ersten Jahr der Zugehörigkeit zur Feldhandball-Bundesliga hatten wir es in der Südstaffel mit SG Leutershausen, TSBV Ansbach, TuS Schutterwald usw. zu tun. Unter dem Trainer Helmut Meyer erreichten wir einen sicheren Mittelplatz. Dies war sehr zufriedenstellend, denn mit dem Beginn der Bundesliga begann auch die Zeit der Gönner und Sponsoren. Mit unserer »Amateur-Truppe«, deren Stärke die gute kameradschaftliche Geschlossenheit war, musste man einen Nichtabstieg als Erfolg werten. Wir konnten die Feldhandball-Bundesliga bis 1970 halten.

Das Interesse der Medien verschob sich aber extrem in Richtung Hallenhandball, so dass eine Sportart nach 50 Jahren fast eingestellt wurde und heute so gut wie gar nicht mehr existiert.

Der BSV 92 wurde 1976 Berliner Hallenmeister. Leider hatte sich inzwischen der Aufstiegsmodus geändert, so dass wir nicht automatisch in die Bundesliga aufsteigen konnten, sondern Ausscheidungsspiele gegen die Meister der Regionalligen Nord und Süd bestreiten mussten. Hier konnten wir uns nicht durchsetzen und spielten daraufhin als Berliner Vertreter in der neu geschaffenen Regionalliga Nord. Dort spielte unsere Mannschaft in den ersten drei Jahren mit großem Erfolg, war stets im oberen Tabellendrittel zu finden und hätte jeweils gute Aufstiegschancen in die Bundesliga gehabt, wenn nicht die Leistungsträger von ihren Arbeitgebern (Schule und Universität) zu Skireisen verpflichtet worden wären. [!]

Der Austragungsmodus zum Aufstieg in die Bundesliga wurde mehrfach geändert. 1973 wurde die Beteiligung Berliner Mannschaften an der Regionalliga Nord eingestellt und es entstand eine eigene Regionalliga Berlin, der Berliner Meister stieg dann automatisch in die immer noch zweigeteilte Bundesliga – also entweder Nord oder Süd – auf.

Die 1. Mannschaft 1974

Bundesligavorbereitung in Jugoslawien

v.l.n.r.: Eberhard Müller-Schwerin, Wolfgang Bahlburg, Hermann Messner, Michael Hünteler, Günther Buchholtz, Bernfried Hauck, Lars Kutschke, Bernd Wendlandt, Lutz Domaschke, Norbert Napierski

So wurde 1974 der Berliner Meistertitel errungen, was den Aufstieg in die Bundesliga, Staffel Süd, zur Folge hatte. Unter dem Trainer Horst Käsler und seinem Assistenten »Winne« Leue wurde die Mannschaft in Jugoslawien auf die Saison vorbereitet.

Trotz mehrerer gute Erfolge gegen süddeutsche Spitzenmannschaften konnte letztlich die Klasse nicht gehalten werden, und so wurde bis 1981 wieder in der Regionalliga Berlin gespielt.

Zu diesem Zeitpunkt war es schon sehr schwer, mit den vorhandenen finanziellen Mitteln eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die mit den Spitzenvereinen der übrigen Bundesrepublik mithalten konnte. Immer mehr ausländische Spieler tauchten in den Mannschaften auf und immer mehr Gelder wurden gezahlt. Immer mehr Vereine erlebten durch einen großzügigen Sponsor sportliche Höhenflüge und im Anschluss große Enttäuschungen — zu verfolgen in Berlin mit den Reinickendorfer Füchsen und Benzko.

Nachdem die Mannschaft 1986 aus der Zweiten Bundesliga abgestiegen war, wurde wiederum 1987 der Regionalliga-Titel in Berlin errungen. Noch einmal wurde versucht, mit den besten Berliner Spielern eine schlagkräftige Mannschaft zu formieren, aber auch in diesem Jahr fehlte ein Pünktchen am Klassenerhalt. Daraufhin fiel die Mannschaft auseinander, weil an anderer Stelle mehr Geld gezahlt werden konnte.

Die Jugendarbeit musste bereits in den Jahren vorher eingestellt werden. Noch 1982 spielten 75 Jugendliche in sechs Mannschaften. Da aber die Attraktivität unserer Sportart ständig abnahm und der Bezirk Wilmersdorf von ganz West-Berlin die wenigsten handballspielfähigen Sporthallen besaß, kam es zu dieser Entwicklung.

Für die Saison 1988/89 wurde eine Spielgemeinschaft mit dem OSC Schöneberg eingegangen; die Klasse wurde gehalten und es wurde sogar die Berliner Pokalmeisterschaft errungen. 1990 musste unsere Mannschaft dann die Regionalliga Berlin nach einem Entscheidungsspiel gegen Zehlendorf 88 verlassen.

Wir kommen zum Ende , denn »Moderne Zeiten …«

(gelesen: 1051 mal, heute: 2 mal, zuletzt: 31. Juli 10)

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