Der Verein in der Berliner City-West — Spaß und Sport für Handballer zwischen 5 und 55 Jahren!
Unter der Leitung von Werner Thron und in Zusammenarbeit mit den Betreuern Damerius und Fläderich wurde aus dem eigenen Nachwuchs eine Mannschaft geformt, die sehr schnell an die alten Erfolge anknüpfen konnte.
In den Jahren 1953 – 1955 wurde der BSV 92 im Feld‑ und Hallenhandball jeweils Vize-Meister. 1956 wurde dann im Feldhandball ein weiterer Berliner Meistertitel errungen. Im Hallenhandball mussten wir den Reinickendorfer Füchsen den Vortritt lassen. Horst Käsler hatte inzwischen als Spielertrainer das Training der Mannschaft übernommen.
In diesem Jahr fanden die Deutschen Meisterschaften in Berlin statt. Diesem Umstand hatten wir es zu verdanken, an dieser Meisterschaft teilnehmen zu dürfen. Hotti Käsler hatte unsere Mannschaft zu diesem Ereignis topfit gemacht und gerade die jungen Spieler Kunde und Rudolph zeigten bei dieser Meisterschaft ihre besten Leistungen. Horst Käsler dirigierte klug und zeigte tolle Einzelaktionen. Wolfgang Schütze spielte hervorragend, war vom Gegner sehr gefürchtet und dadurch immer stark bewacht. Fundament dieser Mannschaft aber war der Torhüter Jürgen Albrecht. Ihm und keinem anderen gebührte in dieser Zeit der Platz in der Nationalmannschaft. In Berliner Kreisen war es unverständlich, warum Jürgen nicht häufiger berücksichtigt wurde.
Nachstehend der Originaltext des damaligen Chronisten:
»Das Entscheidungsspiel um den Titel führte wieder Hasse Winterbeck Kiel und den Berliner SV 92 zusammen. Nervös und unproduktiv die Aktionen beider Mannschaften. Zuviel stand auf dem Spiel. Erst am Ende der ersten Halbzeit kann Stoldt Kiel in Führung bringen, der Bann ist gebrochen. Dahlinger erhöht auf 2 : 0. Nach der Pause kracht Nickels Wurf gegen die Unterkante der Latte und springt zurück, aber gleich darauf 1 : 2 durch Wolfgang Kunde. Jetzt machen die Kieler den entscheidenden Fehler und lassen den Ball im Mittelfeld kreisen. Sie verlieren ihn und müssen durch Wolfgang Schütze den Ausgleich hinnehmen. Verlängerung. Die erste Hälfte torlos. Dann schafft Horst Käsler mit einem geglückten Rückhandwurf den Treffer, der die Deutsche Meisterschaft bedeutet. Noch kurzes Kreiselspiel in der Mitte, die Mannschaften jagen sich bis zum erlösenden Klingelzeichen, das gleich im Jubel untergeht.
v.l.n.r.: Kunde, Schütze, Nickel, Käsler, Richter, Henkmann, Bußacker, Christen, Albrecht, Rudolph, Hans-Joachim Welk
BSV, BSV dröhnt es von den Rängen. Die schwarz-weiße Vereinsfahne wird herbeigetragen. Das ist die Sternstunde des Berliner SV 92. Auf dem Parkett fallen sie sich müde und überglücklich in die Arme. Wir sind Deutscher Meister. Hotti Käsler, der Held des Tages, braucht sich seiner Freudentränen nicht zu schämen. Es ist geschafft! Wir konnten aber noch einen Triumph feiern. Jürgen Albrecht, Horst Käsler, Wolfgang Schütze und Wolfgang Kunde als Ersatzmann wurden für das Hallen-Länderspiel gegen Schweden aufgestellt.«
Bei der im gleichen Jahr stattfindenden Deutschen Feldhandball-Meisterschaft gelangten wir nach einem knappen Sieg über den SV Harleshausen in das Halbfinale. Unsere Männer spielten beim THW Kiel und unterlagen sehr knapp erst in der Verlängerung mit 14 : 15. Spielentscheidend war damals eine unverständliche Schiedsrichter-Entscheidung, die Käsler (!) kurz vor Schluss für 5 Minuten vom Feld verwies. Der erstmals in die Mannschaft eingereihte Bernd Lukas erzielte drei wunderbare Tore.
1957 wurde die Berliner Hallenhandball-Meisterschaft errungen und wir fuhren als Titelverteidiger zu Deutschen Meisterschaft nach St. Ingbert und Hassloch. Wir spielten in der Vorrunden-Gruppe II mit Darmstadt und Wolfsburg zusammen. Beide Gegner wurden hoch geschlagen und in der damals am Sonntag ausgetragenen Endrunde standen sich im ersten Halbfinale Wolfsburg und Göppingen gegenüber und die Männer von Frischauf qualifizierten sich für das Endspiel. Wir hatten es mit dem SV Westerhold zu tun. Das Endspiel gegen Frischauf Göppingen verlief für uns etwas unglücklich, dennoch lagen wir immer mit einem Tor in Führung. So ging es bis zum 5 : 5. Es waren noch 20 Sekunden zu spielen. Da ging Bernd Lukas mit rasantem Antritt in eine Lücke, wurde behindert, riss sich wieder los und schoss an dem bereits geschlagenen Torhüter vorbei ein Mordsding an den Pfosten. Das wäre es gewesen. Nun ging es in die Verlängerung. Unter dem Eindruck dieses Missgeschicks und der Verletzung unseres Torhüters Jürgen Albrecht mussten wir uns Frischauf Göppingen geschlagen geben und mit der Vize-Meisterschaft zufrieden sein.
Das Jahr 1958 wurde zur herben Enttäuschung. In Handballkreisen fragte man sich, wer in diesem Jahr den BSV 92 überhaupt schlagen könne, denn inzwischen hatte sich der Göppinger Nationalspieler Horst Singer beim BSV 92 angemeldet und sein Studium in Berlin aufgenommen. Mit ihm und den Nationalspielern Käsler, Schütze, Kunde und Albrecht konnte eine Mannschaft aufgeboten werden, die zu diesem Zeitpunkt in Deutschland ihresgleichen suchte. Mit großen Erwartungen zog der BSV 92-Anhang zur Endrunde um die Berliner Hallenhandball-Meisterschaft in die ausverkaufte Deutschlandhalle. Aber an diesem Tag klappte einfach gar nichts und es reichte nur zu einem mäßigen 3. Platz.
In den nächsten Jahren wurden bis 1962 ständig die Berliner Hallentitel errungen und bei den Teilnahmen an den Deutschen Meisterschaften wurden vordere Plätze belegt, der große Wurf gelang jedoch nicht.
Im Feldhandball klappte es in dieser Zeit nicht so gut. Wir mussten in Berlin hauptsächlich dem Polizei SV den Vortritt lassen. In der Zwischenzeit hatte auch innerhalb der Mannschaft die große Wachablösung begonnen. Junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs waren in die Fußstapfen ihrer Vorbilder getreten und knüpften mit ihren Leistungen an deren Erfolge an. So war es auch 1964, als der Berliner Hallenhandball-Meistertitel errungen wurde.
Da unsere Leistungen dabei jedoch nicht so überragend waren, fuhren wir ohne große Erwartungen zur Deutschen Meisterschaft nach Kiel. Hier aber bot unsere Mannschaft eine unerwartet gute und geschlossene Leistung und war vom Trainer Horst Käsler hervorragend eingestellt. In der Vorrunde wurden Leutershausen und Leverkusen klar geschlagen und als es im letzten Vorrundenspiel nach 20 Minuten gegen den HSV 7 : 1 für unsere Mannschaft stand, ging ein merkliches Raunen durch die Ostseehalle.
Duplizität der Ereignisse:
Denn wie auch im Jahre 1956 hieß diesmal der Endspielgegner THW Kiel. Von den 6.000 einheimischen Zuschauern glaubte natürlich jeder an den Erfolg des THW. Der spielte mit seinem bewährten Spielmacher Hein Dahlinger. Horst Käsler gab die Marschroute aus, Dahlinger durch konsequente Manndeckung auszuschalten. Dies wurde strikt befolgt und damit die Grundlage für unseren Erfolg geschaffen. Die Dramatik in der Ostseehalle war atemberaubend. 30 Sekunden vor Spielende stand es noch 3 : 3, als unsere Männer in Ballbesitz gelangten. Und 14 Sekunden vor Abpfiff erzielte Peter Bußacker mit einem seiner typischen Aufsetzer in die kurze Ecke das goldene Tor zum 4 : 3 Sieg.
Albrecht, Bernhard, Bohnsack, Braun, Bußacker, Kraft, Kunde, Kunze, Lukas, Preugschas, Rudolph,Schäfer, Schneider, Schubert, Teske und »Fips« Rudolph waren die glücklichen Spieler.
Im ehrwürdigen Hotel Flensburger Hof, gleich gegenüber der Ostseehalle, waren gegen Mitternacht die Sektvorräte erschöpft. Am nächsten Vormittag empfingen auf dem Flughafen Tempelhof der Berliner Senator für Jugend und Sport, Kurt Neubauer, der Präsident des BSV 92, Dr. Waldemar Drost, sowie unzählige Anhänger unsere Mannschaft. Wenn auch den Spielern die Strapazen der schweren Spiele anzusehen waren, so lachte doch aus allen Augen die Freude und das große Glück über diesen bedeutenden Erfolg.
Als Deutscher Meister waren wir gleichzeitig Teilnehmer bei den Spielen um den Europa-Pokal. In der Sporthalle Charlottenburg gelang uns ein 21 : 13 gegen Arild Oslo. Wieder einmal hatten alle Freunde des Handballspiels Gelegenheit, in einer Fernsehübertragung den BSV 92 groß aufspielen zu sehen. Um unter die letzten Vier zu gelangen, mussten wir den Schweizer Meister, die Grasshoppers Zürich, bezwingen, doch leider fand unsere Mannschaft im Sportpalast nicht zu ihrem Spiel und unterlag mit 18 : 14, somit war die Chance, durch einen klaren Erfolg im Rückspiel eine Runde weiterzukommen, sehr gering. Dennoch zeigten unsere Jungens in Zürich, dass sie in Berlin wirklich einen schlechten Tag erwischt hatten. Sie lagen dort mehrmals mit einigen Toren in Front und wurden erst, nachdem in der Schlussphase die Devise »Alles oder Nichts« ausgegeben wurde und man zur offenen Manndeckung überging, knapp mit 15 : 14 bezwungen.
Der Traum vom Europa-Pokal war ausgeträumt, die Möglichkeit, in der nächsten Runde im Berliner Sportpalast gegen die Weltklassemannschaft Dynamo Bukarest zu spielen, vertan.
Weiter mit dem nächsten Kapitel: »Bescheidenheit kehrt ein«
(gelesen: 2310 mal, heute: 2 mal, zuletzt: 20. März 10)
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brauni (Wolfgang Braun) schrieb am 29. April 2008 um 09:17 Uhr:
Hallo, schöner Bericht aus den goldenen Jahren; vielleicht noch eine kleine Ergänzung:
Teddy Teske und ich wurden 1965 von Hotti Käsler (Trainer) zur Studenten-Weltmeisterschaft nach Spanien eingeladen und gewannen dort gemeinsam die WM; beide — Teske und Braun — spielten im Endspiel, welches 10 : 7 gegen Spanien gewonnen wurde.
Brauni wurde danach erstmals in den Nationalmannschaftskader der BR Deutschland berufen :cool:.
Raimund schrieb am 29. April 2008 um 13:09 Uhr:
Hallo Brauni,
vielen Dank für das Lob — wie eingangs erwähnt, ist die Chronik in vollem Umfang »Hanne« Hochwalds Verdienst!
Ansonsten durfte ich als jugendlicher Zuschauer deinen berüchtigten Wackler noch life erleben, da spieltest du aber nicht mehr beim BSV, sondern gegen uns
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