Der Verein in der Berliner City-West — Spaß und Sport für Handballer zwischen 5 und 55 Jahren!
»Tagesspiegel«-Artikel vom 15.12.1999; geschrieben von Rolf Degen
Launisch und aufsässig, mal aggressiv, dann mimosenhaft empfindlich treiben die Halbstarken ihre Erzeuger [& Betreuer! rb.] systematisch in den Wahnsinn.
Nach den neuesten Befunden der Hirnforschung handelt es sich […] um eine biologische Konstante, die auf eine konstruktionsbedingte Unreife des heranwachsenden Denkorgans zurückzuführen ist.
Mitten in Deutschland leben fast sechs Millionen seltsame, ambivalente Wesen weiblichen und männlichen Geschlechts, die scheinbar nicht von dieser Welt sind. Sie sind elf bis 18 Jahre alt und machen gerade durch, was die Älteren alle irgendwie überstanden haben: die Pubertät […]. Es ist die wildeste Zeit des Lebens […].
Entwicklungspsychologen führten dies lange Zeit auf Hormonwallungen, Abgrenzungsversuche gegenüber den Erwachsenen oder die Suche nach der eigenen Identität zurück. Doch diese Lehrsätze sind ins Wanken geraten […]. Das bisherige Ergebnis der Recherchen fasst […] so zusammen:
»Das Teenager‑ Hirn ist eine Baustelle.« Wenn die lieben Kleinen in die Flegeljahre kommen, helfen weder Strenge noch Nachsicht noch Jugendpsychologie.
Noch bis vor wenigen Jahren glaubten die Wissenschaftler, dass der Biocomputer Gehirn mit Eintritt der Pubertät seine erwachsene Funktionstüchtigkeit besitzt: Alle 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen) sind betriebsfähig und die Abermilliarden von »synaptischen« Querverbindungen haben ihre finale Verdrahtung erreicht. Wenn man sein Gehirn nur mit der richtigen Software füttert (Geschichte, Gegenwartsliteratur und Algebra [& Handballweisheiten rb.]), muss ein Teenager eigentlich wie ein Erwachsener denken und handeln.
Doch die neuen Ergebnisse machen deutlich, dass pubertäre Gehirne noch unfertige Organe sind. Bis ins frühe Erwachsenenalter […] setzen sich die Wachstumsprozesse […] fort. Manche Nervenbahnen, die für die Kontrolle von Impulsivität und Emotionen verantwortlich sind, erhalten dann erst ihre Isolierung […].
Mit anderen Worten: In den Köpfen der Pubertierenden liegen die Nerven blank.
[…]. Zwar war schon länger bekannt, dass die Verdrahtung der Nervenfortsätze bei der Geburt noch nicht abgeschlossen ist und in den ersten Lebensjahren den letzten Schliff erhält. Doch die Forscher sind nun auf eine zweite Bauphase gestoßen: Sie beginnt mit der Pubertät und endet erst im dritten Lebensjahrzehnt. Das wichtigste Steuerungsinstrument, der präfontale Kortex, arbeitet danach in der Pubertät noch unvollkommen. Die evolutionär neueste […] Stelle des Gehirns beherbergt die höchsten kognitiven Leistungen wie das vorausschauende Denken.
Man vermutet, dass dieses Zentrum die »Geschäftsführung« über alle komplexen mentalen Operationen ausübt: Es behält den Blick für vorher und nachher, stellt Querverbindungen her und kann aufwühlende Triebe und Impulse hemmen. In dieser Hirnregion ereignet sich im Alter von neun Jahren ein zweiter Wachstumsschub, bei dem Unmengen von neuen Nervenverbindungen geknüpft werden. Erst in den darauffolgenden Jahren werden die überflüssigen und fehlerhaften Verschaltungen zurechtgeschnitten. Bis dahin, meint […], habe der Nachwuchs Schwierigkeiten mit vernünftigen Entscheidungen:
»Das muss man lernen, aber man kann es erst lernen, wenn die nötige Hardware im Hirn fertig ist.«
Verschlimmert wird das Problem, weil auch das Limbische System, der Ursprungsort der Leidenschaften und Affekte, vergleichsweise schnell reift. Vermutlich unter dem Einfluss der beginnenden Sexualhormon‑ Produktion beginnt es zu arbeiten und tut, was es soll: Es produziert Emotionen – Lust, Ärger oder Depression. Unterstützung […] liefern Experimente, die […] mit Teenagern und Erwachsenen machte. Die Forscherin zeigte beiden Gruppen Fotos von angsterfüllten Gesichtern. Die Erwachsenen deuteten den Gesichtsausdruck immer richtig. Viele Teenager dagegen konnten die Emotion nicht richtig identifizieren.
Warum das so ist, erfuhr die Forscherin, als sie die Tests wiederholte […]. Bei den Erwachsenengehirnen leuchteten die limbischen Emotionsherde und die Entscheidungszentren im präfontalen Kortex zugleich auf. Bei den Teenagern dagegen sprang zwar das Emotionszentrum an, das Entscheidungszentrum blieb aber fast inaktiv. »Wir glauben, dass Kinder sofort sehen, wenn wir böse auf sie sind. Vielleicht stimmt das nicht.« […]. Erst wenn die Entscheidungszentrale ausgereift sei, könne das Großhirn Gefühle richtig lesen.
Dazu kommt, dass Heranwachsende aus unerklärbaren Gründen ein übersteigertes Bedürfnis nach Nervenkitzel und Abwechslung haben […]. »Ungewöhnliche Erfahrungen, besonders jene, die einen Hauch von Gefahr beinhalten, regen offenbar besonders stark das Belohnungssystem des pubertären Gehirns an.« […]
Wer bis hierher durchgehalten hat, ist doch um einiges schlauer, nicht wahr :biggrin:?
(gelesen: 1125 mal, heute: 3 mal, zuletzt: 30. Juli 10)
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Jenny schrieb am 17. November 2007 um 16:47 Uhr:
LOL?!